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Yoshua Okon, Mexikanischer Künstler, wohnt in Mexiko-Stadt und Los Angeles
Weil multinationale Unternehmen immer mächtiger werden, werden zwischenmenschliche Beziehung vermehrt durch Marktinteressen bestimmt; die Kultur bildet da keine Ausnahme. So sind heute kommerzielle Kunstmessen die zentralen Ausstellungsorte, haben private Sammlungen Museumsstatus und die Museen selbst richten sich nach den Wünschen des Kapitals (Millionäre und Unternehmen die sie unterstützen). Auf einem globalen Niveau gibt es nur noch wenige Kunst- respektive Freiräume, welche sich über die Logik des Konsums oder der Idee des Fetisch hinwegsetzen. Innerhalb dieses aktuellen Panorama’s ist es umso wichtiger diese Räume jenseits der kulturellen Marktdefinition und Konservatiion aufrecht zu erhalten. Räume, wo die Gesellschaft einen direkten Einfluss hat und vorurteilslos auf eine frische und direkte Ausdrucksweise zeitgenössischer Kunst reagieren kann.
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Juan Pèrez Agirregoikoa, spanischer Künstler, wohnt in Paris
„Für eine Revolution, die nicht nur blosser Schein sein wird“
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Cyrus Schayegh, Schweizer kulturhistoriker, Professor an der amerikanischen Universität Beirut, wohnt in Beirut
Langweilige erste Variante: ein Kulturproduzent ist jemand, der einfach nur schon erwartete visuelle Antworten von sich gibt. Keine echte, keine ernstzunehmende Variante.
Interessantere 2. Variante: Räume und Themen nach Fragen und um Fragen herum zu ordnen. Interessant deshalb, weil der Fragende damit zu einem aktiv gestaltenden, kritischen Mitglied der Zivilgesellschaft wird.
Interessante dritte Variante: eine ironische Subversion der ersten Variante.
Wie genau? Wenn ich das nur so genau wüsste ... durch einen Monty Pythonesken Ansatz? Man nehme ein ganz normales Phänom (z.B. moderne Bürokratie) und unterminiere es (d.h. zeige seine nichtigen, sinnlosen Seiten auf), indem man ein ebenso ‘non-sensical’ Model entwerfe (Ministry of Silly Walks). Oder indem man sich über Metanarrative in einer lächerlich untergrabend platten Weise äussert, so dass der intelligente Betrachter beginnen muss, sich Gedanken zu machen.
Ich selber bevorzuge Variante 3. Ich habe mit direkter, expliziter Pädagogik nichts am Hut. Alle “Germanoiden” – die Schweizer inbegriffen – haben die manchmal schon fast biologisch anmutende Tendenz, gutes tun zu wollen, zu erziehen. Da mag ich nicht mitmachen.
Erstens, weil so der Spass auf der Strecke bleibt. Aber auch, weil solch offensichtlich pädagogischen Ansätze uninteressant sind. Auch auf der theoretischen Ebene (und hier beginne ich zu halluzinieren – nimm mich also ganz besonders ernst). Alternative 3 ist interessant weil sie:
*nicht einfach neue Wege eröffnet indem sie alte Wahrheiten umgeht. Vielmehr konfrontiert sie die alten Wahrheiten.
*die modernistische Idee untergräbt, dass sich der wahre Fortschritt von einer Ebene der Ideen, Wahrheiten und Fragen zur nächsten bewegt. Variante 3 ist also mehr postmodern. Wichtiger noch, sie ist spielerischer (übrigens, sollte ein (post)-modernes Museum / Kunsthalle überhaupt spielerisch sein? Oder könnte ein spielerischer Umgang mit Fragen ein Markenzeichen der Kunsthalle sein, eine Dimension, die sie vom gängigen Museum absetzt?)
*zu Fragen führen, sie beinhalten oder unterstellen kann. Nur dass hier Fragen nicht direkt und in einfacher Weise gestellt werden. Sie werden nicht vorformuliert, nicht im Voraus abgepackt und dem Zuschauer zum Konsum vor die Nase gesetzt (HIER liegt unsere Frage. Du darfst denken, aber bitte NUR über diese EINE Frage die WIR gestellt haben). Einzig ein Feld, eine offenere Sphäre wird eröffnet, keine bestimmte Frage gestellt (Bürokratie, um bei Monty Python zu bleiben). Fragen sind implizit, prozess-orientiert, offen, verlangen mehr Kreativität vom interagierenden Besucher.
*sich gut vereinbaren lässt mit der Sicht des Museums als einem Ort für Performance statt Konsum oder Erziehung (stimmt das? Um die Wahrheit zu sagen, habe ich keine Ahnung)
*ich nicht weiss, was ich über Varianten 1 und 2 schreiben könnte – und mich deshalb mit ihnen nicht abmühen will
*als Monty Pythonesker Ansatz mein eigener pädagogischer Kreuzzug im “germanoiden” Kernland wäre (was wiederum klarmacht, dass ich kein Iota besser bin als die “Germanoiden”... was auch immer).
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Chus Martìnez, Direktor, Frankfurter Kunstverein
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Lucas Bambozzi, brasilianischer Künstler und Kulturproduzent
In Bezug auf die literarische Produktion war Walter Benjamin der Ansicht, Dass sich die Unterscheidungen zwischen Autor und Publikum auflösen sollten. In ‚Der Autor als Produzent' schrieb er: „Der Lesende ist dort jederzeit bereit, ein Schreibender, nämlich ein Beschreibender oder auch ein Vorschreibender zu werden“ (1934). Er war davon überzeugt, dass der Autor insofern auch Produzent ist, als das zu Veröffentlichende keinem klaren Urteil mehr zugrunde liegt.
Über siebzig Jahre danach sollten wir nach anderen Alternativen suchen, um kulturelle Verfahren offener anlegen zu können. Zumal die Form Einfluss auf den Inhalt hat und eine gemeinschaftliche Verantwortung gegenüber der Gestaltung von Kultur nicht ignoriert werden kann.
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Claudia Fontes, Argentinische Künstlerin, Gründerin des künstler netzwerks TRAMA
Im globalisierten Kunstsystem scheinen gewisse kulturelle Institutionen, private wie auch offizielle, für die Organisation des Diskurses verantwortlich zu sein, indem sie Kanäle zu Verfügung stellen welche unterschiedliche kulturelle Praktiken sichtbar machen und legitimieren. Aber wie sind diese institutionellen Mechanismen aufzudecken und wie diese neuen Praktiken zu legitimieren?
In meiner Praxis als Künstlerin die sich dafür entschieden hat eine Platform für künstlerisch autonome Zusammenarbeiten zu gründen, ist das Wissen ein soziales Kapital, ein Wert, der in der sozialen Zwischenbeziehung unter Individuen generiert wurde, in welchem wir ein gemeinsames Bedürfnis erkannt haben und akzeptieren. Wissen nicht als Erbe sondern als soziale Energie zu verstehen stimmuliert die Vorstellung von mehr organischen und fliessenden Organisationsstrukturen, die erblich sind und sich direkt auf die Basisbedürfnisse der Gemeinschaft beziehen.
Das Wissen dieser fliessenden Organisationen ist immer provisorisch und somit schwer zu definieren, weil es sich um ein direktes Wissen handelt, das aus einem kollektiven Sein, ohne Vermittler oder Distanz hervorgebracht wurde. Es ist ein Wissen das dringend notwendig ist. Wir Künstler, Kuratoren, Organisatoren, Vermittler, welche kollektive Verantwortung übernehmen wissen, dass Kunst notwendig und wichtig ist, und dass der Prozess und die Fragen der künstlerischen Praxis potentielle Instrumente sind, um sich Methoden kollektiver Konstruktion vorzustellen. Nur wenn wir politische Verantwortung übernehmen dieses Kollektiv zu schaffen, sind wir freie Bürger.
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Dora Garcia, spanische Künstlerin, wohnt in Brüssel
Ich kann nur das folgende dazu sagen: Kafka hat einmal geschrieben, alle Menschen hätten ein Wohnzimmer in ihrer Brust, und wenn man rennt, könne man den Spiegel dann an der Wand wibrieren hören. Wäre somit das Wohnzimmer der Kunstverein? Jener der rennt die Kultur? Und der Spiegel der Künstler?
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Lars Bang Larsen, autor und Kurator, Dänemark
Es regnet Gründe
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Kota Ezawa, Deutscher Künstler, wohnt in San Francisco
In den Jahren 1996 bis 1998 habe ich bei New Langton Arts in San Francisco, dem amerikanischen Äquivalent zum deutschen Kunstverein gearbeitet. Den Hauptunterschied zwischen einem Kunstverein und einem Museum sehe ich im dort geführten Diskurs und der daraus folgenden unterschiedlichen Organisation. Während ein Museum darauf ausgerichtet ist, die Endergebnisse der künstlerischen Arbeit (Gemälde, Skulpturen und Videos) zu bewahren, konzentriert sich der Kunstverein auf den Ursprung – dort wo Kunst beginnt sich selbst zu formulieren (Ideen, Experimente). Ich finde es notwendig sowohl den Anfang als auch das Ergebnis zu betrachten. Es kann also kein Guggenheim ohne einen Kunstverein geben.
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Nils Norman, englischer Künstler, wohnt in London
Der Kunstverein ergab sich aus der Geschichte einer selbst organisierten Demokratie, einer gemeinschaftlichen sozialen Struktur, die es in dem heutigen, zunehmend privatisierten, neoliberalen Umfeld zu unterstützen gilt.
